Vorromanik

Eine tiefgreifende Wirtschaftskrise und Barbareneinfälle stoppten bereits im 4. Jh. die Entwicklung der Architektur im römischen Gallien, obwohl das römische Reich politisch und kulturell noch bis zum Jahre 476 Bestand hatte. Die Ingenieurskunst geriet mit der Zeit in Vergessenheit und die Architektur des Frühmittelalters konnte nicht mehr an die hochentwickelte Baukunst der gallo-römischen Epoche anknüpfen. Zum Anderen lehnte die christliche Vorrangstellung des Geistes die pompös-repräsentativen Bauvorhaben ab, so dass die neuerrichteten Bauwerke des beginnenden Mittelalters eher bescheidende Dimensionen aufwiesen. Die Merowinger (5. Jh. – Mitte 8. Jh.) konnten, bedingt durch ihre Eroberungszüge und Machtkämpfe, nur wenige Bauvorhaben umsetzen und die Profanarchitektur spielte zu dieser Zeit praktisch keine Rolle. Lediglich das langsam sich verbreitende Christentum machte das Erbauen von Kulträumen erforderlich.

Der vorherrschende Typ in der Sakralarchitektur war die römische Basilika, die jedoch unter dem Einfluss der byzantinisch-orientalischen Kunst einen halbrunden Abschluss (Apsis) im Osten bekam und durch ein Querschiff erweitert wurde. Der Glockenturm stand am Anfang neben der Kirche, wie es noch heute z.B. in Honfleur u.a. zu sehen ist. Unter dem Altar der größeren Kirchen befand sich eine Krypta – eine unterirdische Halle mit Sarkophagen oder Gräbern der kirchlichen Würdenträger. In der folgenden Zeit wurden die meisten Hauptkirchen grundlegend umgebaut und verloren somit ihre ursprüngliche Form, jedoch blieben einige Krypten erhalten (Saint-Martin-au-Val in Chartres, Jouarre, Saint-Laurent in Grenoble usw.).

Für die merowingische Architektur verwendete man unbearbeitete Steine und verzichtete im Gegensatz zur Antike auf skulpturale Raumausstattung. Dekorative Elemente zeigten sich nur noch als Relief an Sarkophagen und auf die repräsentativen Ausschmückungen der gallo-römischen Periode wurde verzichtet.

Der basilikale Bautyp symbolisierte mit seinem Langraum den Lebensweg der Gläubigen und wurde als Gemeindekirche verwendet. Gottesdienste für wichtige Ereignisse, wie Taufe oder Trauerfeiern, wurden zu dieser Zeit in gesonderten Räumen abgehalten. Dies waren die sogenannten Baptisterien oder Grabkirchen, die nach dem Prinzip eines Zentralbaus errichtet wurden. Der Zentralbau entwickelte sich aus dem antiken Rundtempel und wies einen runden oder 8- bzw. 16-eckigen Grundriss auf. Heute findet man noch merowingische Baptisterien in Fréjus, Marseille, Riez u.a.

Die Architektur der Karolinger (750 – 950) knüpfte an die Errungenschaften der merowingischen Periode an und besann sich wieder auf die römische Baukunst. Das Machtstreben Karls des Großen zeigte sich auch in der Architektur und brachte erstmals seit der Antike wieder monumentale Bauten hervor. Die Bischöfe waren angehalten, nicht nur ihre Kirchen instand zu halten, sondern auch den Bau neuer Gotteshäuser voranzutreiben und nach Bedarf Schulen und Spitäler einzurichten.

In Konkurrenz zu den Bischöfen stand das Mönchstum, das zu einem wichtigen wirtschaftlichen und politischen Machtfaktor heranwuchs. Vor allem das benediktinische Mönchstum unterhielt enge Beziehungen zur königlichen Familie und wurde in gewissem Maße zum Träger der karolingischen Kulturpolitik. Wie jeder Grundbesitzer lebten die Mönche nach dem Prinzip der Selbstversorgung und siedelten ihre eigene Infrastruktur mit Mühlen, Schmieden, Stallungen etc. um die eigentliche Klosteranlage an, in deren Zentrum sich eine Kirche mit Kreuzgang befand. Außerdem verfügte jedes Kloster über eine Bibliothek, eine Schreibstube, ein Refektorium, Krankenbereiche usw.

Die Basilika blieb der vorherrschende Bautyp, der jedoch eine den Merowingern unbekannte Monumentalität aufwies. Neu war der vorgelagerte Querbau an der Westseite der Basilika, das sogenannte Westwerk, das dem Bau im Zusammenspiel mit dem Querschiff im Osten eine gewisse Symmetrie verlieh. Die bisher freistehenden Glockentürme wurden in den Bau integriert. Die beiden Seitenschiffe erhielten den gleichen Abschluss wie das Hauptschiff und endeten in Apsiden. Die Verwendung einer massiveren Mauerkonstruktion forderte eine Verstärkung der Säulen, die nicht selten durch Pfeiler ersetzt wurden. Eine große Verbreitung erlangte auch der rhythmische Wechsel von Säulen und Pfeilern, die miteinander durch Arkaden verbunden waren.
Die Einflüsse der byzantinischen Kunst führten zur Verwendung des Zentralbaus (die bei den Merowingern als Baptisterien dienten) als Gemeindekirche. In der Regel erhielt der Zentralbau mit seinem runden, polygonalen oder kreuzförmigen Grundriss ein Gewölbe, das auf einem durch Fenster durchbrochenen Tambour stand. Die massiven Stützen nahmen den vertikalen Druck auf, wobei die Mauern als Widerlager die Konstruktion zum Teil entlasteten. Auf diese Weise gelang es, deutlich höhere Bauten zu errichten.

Obwohl die Steinbearbeitung in dieser Epoche bereits bekannt war, wurde diese Technik jedoch selten verwendet. Kapitelle, Säulen und Wände wurden mit Blatt- oder geometrischen Ornamenten dekoriert. Die Apsiden und Kuppeln wurden durch Mosaike verschönert.

Trotz der hohen Bautätigkeit zu dieser Zeit, sind nur wenige Beispiele der karolingischen Architektur erhalten geblieben. In Frankreich sind dies: die Abtei von Beauvais, die Kapelle in Germigny-des-Prés, die Krypta von St-Pierre von Jumièges, die Kirche von Ottmarsheim...

 

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