Theater des 19. Jahrhunderts

Bis zum Jahre 1830 beherrschte das klassizistische Theater die französische Bühne, obwohl zu diesem Zeitpunkt in anderen Gattungen (Lyrik, Roman...) die Romantik die literarische Landschaft dominierte. Als das erste romantische Theaterstück Hernani von Victor Hugo aufgeführt wurde, kam es zu einer regelrechten Schlacht zwischen Verfechtern des klassischen Theaters und Anhängern der Romantik, bekannt als Bataille d'Hernani. Der 27-jährige Anführer der Romantik Victor Hugo verwarf in diesem Stück provokativ die grundlegende Regel des Klassizismus von den Drei Einheiten. Bei den ersten Aufführungen in der Comédie-Française, der Hochburg des klassizistischen Theaters, erfuhr Hugo extreme Ablehnung seitens der konservativen Zuschauer, jedoch mit jeder weiteren Aufführung mehrten sich die Zusprüche und die Romantik trat ihren Siegeszug an.

Die wichtigsten Vertreter des romantischen Theaters in Frankreich waren neben Victor Hugo auch Alexandre Dumas (Vater), Alfred de Vigny und Alfred de Musset. Mit ihren Theaterstücken versuchten sie, sich so nah wie möglich an die Theorie des romantischen Theaters zu halten. Sie übertrieben jedoch stark in der Anwendung dieser Theorie, wodurch die auffälligen Charaktere an Menschlichkeit und die dargestellten außerordentlichen Gefühle an Glaubhaftigkeit verloren. Die allgemeine Begeisterung für das Revolutionäre am romantischen Theater war nicht von langer Dauer. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hielten mit der Sittenkomödie realistische Tendenzen Einzug in die französische Bühne. Der produktivste Autor dieser Zeit war Eugène Scribe, der mehrere Hundert Komödien innerhalb kürzester Zeit verfasste. Seine Werke zeigen kein außerordentliches Talent und lassen eine Tiefe in der Darstellung vermissen, sprachen jedoch den Geschmack des breiten Publikums an und erfreuten sich großer Popularität. Die auf Scribe folgenden Schriftsteller (Alexandre Dumas der Jüngere, Emile Augier, Victorien Sardou...) verstärkten die realistische Darstellung und vereinten sie mit belehrenden Elementen, so dass ihre Stücke ernsthafter wurden und nur wenig Komik aufwiesen. Im Gegensatz dazu sollte das komische Theater nur unterhalten und die Zuschauer zum Lachen bringen. Um den Unterhaltungswert zu erhöhen wurde das Stück mit komischen Musikeinlagen gespickt, wie z.B. bei Eugène Labiche. Diese Art des Musiktheaters nannte man Vaudeville, eine Vorstufe der Operette, die die französische Bühne ab 1870 eroberte. Die berühmtesten Librettisten dieser Zeit waren Henri Meilhac und Ludovic Halévy, die u.a. Libretti für die Operetten von Jacques Offenbach schrieben.

Das Naturalistische Theater wurde zunächst durch die Adaptation von bereits berühmten Romanen dieser Richtung (Zola, Gebrüder Goncourt) an die Bühne geprägt und verfolgte die gleichen Ziele wie die Prosawerke. Henry Becque hingegen schrieb eigene Dramen (Les Corbeaux, La Parisienne), die durch ihre düsteren Milieustudien das Leben mit allen seinen hässlichen Seiten zeigte. Ebenfalls zum Naturalistischen Theater zählt André Antoine. Er gründete eine Theatergruppe mit dem Namen Théâtre-Libre, die ausschließlich aus Amateuren (Bauern, Handwerker, Kleinbürger) bestand. Durch die Nähe der Rolle zum eigenen Leben des Schauspielers entstand ein originelles Spiel mit authentischer Sprache und Kleidung. Detailgetreue Dekorationen der Handlungsorte verstärkten diesen Effekt noch zusätzlich.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verlor das Naturalistische Theater an Bedeutung und die Abwesenheit einer dominierenden Richtung eröffnete zahlreichen zum Teil experimentellen Strömungen den Einzug auf die französische Bühne:

Einzelne Stücke dieser Autoren markierten die Wende zum Theater des 20. Jahrhunderts.

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