Theater des 17. Jahrhunderts

Das 17. Jahrhundert gilt als Goldenes Zeitalter der Theaters, wobei aber vor Allem an die drei berühmten Autoren Corneille, Racine und Molière gedacht wird. Eigentlich war die Dramatische Literatur dieser Zeit wesentlich facettenreicher. Zu Beginn des Jahrhunderts dominierte die Pastorale mit harmonischen, ländlichen Szenen, die von der barocken Tragikomödie mit übertrieben turbulenten und nicht selten grausamen Darstellungen abgelöst wurde. Seit 1660 kehrte das klassische Theater zu Maß und Regelgerechtigkeit zurück und die „reinen“ Gattungen Tragödie, Komödie und Oper gewannen die Oberhand.

Die Pastorale hielt unter dem Einfluss des italienischen Theaters und nach dem Erfolg der Schäferromane Einzug in die französische Bühne. Mit dem Begriff Pastorale bezeichnet man ein Theaterstück, das vor dem Hintergrund einer idealisierten Natur ländliche Szenen darstellt. Sie begeisterte die Zuschauer mit der Schilderung einer tugendhaften Liebe, die Dank der Hilfe von Zauberwesen und Orakeln über die abwertend dargestellte körperliche Liebe triumphierte. Die Vertreter dieser Gattung (Racan, Jean Mairet, Alexandre Hardy, Théophile de Viau, Nicolas Chrétien des Croix u.a.) entnahmen ihre Ideen überwiegend aus bereits erfolgreichen Prosawerken.
Seit 1630 war die Entwicklung der Pastorale zum Stillstand gekommen und das Publikum verlor zunehmend das Interesse an dieser Gattung.

Die Tragikomödie hingegen erfreute sich immer größerer Beliebtheit und wurde zur wichtigsten Gattung in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Charakteristisch für die Tragikomödie sind spektakuläre Inszenierungen mit Explosionen, Morden, Gewalttätigkeiten, Schlachten usw. Ihre turbulente Handlung unterlag keiner erzählerischen Logik und war eine Aneinanderreihung von Abenteuern mit Verstrickungen von Göttern und Helden in Konflikte und Intrigen, die mehrere Jahrzehnte umfassen konnten und letztendlich in ein glückliches Ende mündeten. Der produktivste Autor dieser Gattung war Alexandre Hardy mit Ariadne ravie und La Force du sang. Des Weiteren trugen Jean Rotrou, Thomas Corneille, Jean Mairet u.a. zum Erfolg der Tragikomödie bei. Auch Pierre Corneille, einer der bedeutendsten Vertreter des folgenden klassischen Theaters, verewigte sich mit Clitandre und Le Cid zunächst in dieser Gattung. Seine Tragikomödie Le Cid rief heftige theoretische Diskussionen hervor und mündete nach einem Urteil der Académie française in die Schaffung eines Regelwerks für das Theater, das auf der Theorie von Aristoteles basierte. Besonders die Theaterkritiker Jean Chapelain und Abbé d’Aubignac forderten in ihren theoretischen Schriften vehement die Einhaltung bestimmter Regeln. So musste jetzt ein Theaterstück dem Gesetz der Drei Einheiten entsprechen:

  • Einheit der Zeit – max. 24 Stunden
  • Einheit des Raumes – die Handlung darf sich nur in einem "Raum" bewegen
  • Einheit der Handlung – in dem ganzen Werk darf es nur eine Haupthandlung geben, die Nebenhandlungen sollten ihr klar untergeordnet werden.

Außerdem musste das Theaterstück, je nach Gattung, ein definiertes Sprachregister verwenden, die handelnden Personen aus einer bestimmten sozialen Schicht stammen und ihr Verhalten durchgehend ihrer Herkunft entsprechen.

Auf diese Weise suchte die Tragödie ihre Helden in adligen Kreisen, die eine gehobene Sprache benutzten, in ihren Handlungen höhere Ziele anstrebten und „wahre“ Gefühle lebten. Schockierende Szenen waren nicht mehr erlaubt und wurden durch dritte Personen geschildert. Die Spannung wurde konstant aufgebaut und mündete in ein tragisches Ende. Vor Allem Pierre Corneille und Jean Racine gelang es meisterhaft nach diesen Vorgaben unübertreffliche Theaterstücke zu schaffen, die durch ihre Genialität jedoch nachfolgende Autoren lähmten.

Die Komödie dagegen fand ihre Helden in der kleinbürgerlichen Schicht oder im einfachen Volk und schilderte zeitgenössische Begebenheiten. Die Verwendung der Umgangssprache war nicht nur erwünscht, sondern auch vorgeschrieben. Anders als bei der Tragödie entwickelte sich die Handlung sprunghaft und führte zu einem glücklichen Ende. Der große Meister der klassischen Komödie war Jean-Baptiste Poquelin, bekannt unter seinem Künstlernamen Molière. Schnell fand er zahlreiche Anhänger (Montfleury, Donneau de Visée, Raymond Poisson, Thomas Corneille, Philippe Quinault), die jedoch durch Nachahmungen nur wenig zur Entwicklung der Gattung beitrugen. Eine Ausnahme stellten Jean-François Regnard und Charles Dufresny dar, die die Komödie mit sozialkritischen Aspekten bereicherten.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts führten neue Strömungen in der Gesellschaft und in der Kunst zu tiefgreifenden Veränderungen in der Literatur. Sie verlor ihren aristokratischen und moralisierenden Charakter und wandte sich den sozialen und politischen Themen des Bürgertums zu.

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