Religiöse Literatur

Bereits zu Beginn des 4. Jahrhundert bildete sich eine Kluft zwischen dem offiziellen Latein und der Volkssprache, so dass die einfache Bevölkerung im 9. Jahrhundert kaum die offiziellen Texte oder Liturgien verstand. Aus diesem Grund beschloss das Konzil von Tours im Jahre 813 die Predigt in der verständlichen Volkssprache zu halten. Dies führte zur Adaptation der Bibeltexte und Heiligenviten (Lebensgeschichten von Heiligen mit der Darstellung von Wundertaten, Tugenden oder Martyrien) an das Sprachverständnis des einfachen Volkes.

Der älteste dieser Texte ist die Eulaliasequenz, der auf eine lateinische Vorlage zurück geht, die von ihrer schwerfälligen Rhetorik befreit und durch eine vereinfachte gefühlsorientierte Erzählsituation dem breiten Publikum näher gebracht wurde. Die Eulaliasequenz wurde während des Gottesdienstes als Zwischenspiel rezitiert. Das im 10. Jahrhundert entstandene Leodegarlied sprengte den Rahmen des Gottesdienstes und wurde daher als selbständiges Werk vorgetragen. Da zu dieser Zeit ausschließlich Kleriker schreiben und lesen konnten, blieb das Leodegarlied und dessen Verbreitung in den Händen dieser Schicht. Die rezitative Vortragsweise des Textes und die Glorifizierung Leodegars eröffnete die Entwicklung zum Heldenlied. Spätere Texte dieser Gattung (Alexiuslied, Brendansreise u.a.) unterstützten diese Tendenz zum Heldenlied und wiesen eine Änderung in der epischen Form auf: vokalische Halbreime oder einfache Reime, Ausbildung der Strophe, 12-silbige Verse...

Thematisch gesehen gehen die mittelalterlichen Heiligenviten auf lateinische Vorlagen zurück, können jedoch aus anderen Kulturkreisen stammen, wie z.B. das Alexiuslied, das auf einer syrischen Legende basiert oder die Brendansreise, die keltische Stoffe verarbeitet. Nicht selten wurden auch zeitgenössische Geschehnisse aufgegriffen, die später zur Entwicklung der Geschichtsschreibung führte. Das Wiederaufleben des Theaters im Mittelalter ist ebenfalls der Kirche zu verdanken. Seit dem 9. Jahrhundert wurden kirchliche Feste von szenischen Darstellungen begleitet, aus denen sich frühe Dramen entwickelten, wie z.B. das Adamsspiel oder das Spiel vom heiligen Nikolaus.

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