Prosa des 19. Jahrhunderts

Während der Französischen Revolution orientierte sich die Literatur stark am Klassizismus. Dies führte zu einer Gegenbewegung, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts endgültig die klassizistische Tradition zerstörte. Eine besondere Rolle nahmen dabei De la Litérature (1802) von Mme de Staël und die frühen Werke (Atala, 1801; Le Génie du Christianisme, 1802) von François-René de Chateaubriand ein. Die beiden Schriftsteller der Romantik entschieden sich zur Darstellung starker Gefühle außergewöhnlicher Persönlichkeiten und negierten die aufklärerischen Vernunftgedanken des 18. Jahrhunderts. Ihre Ideen wurden von zahlreichen Literaten aufgegriffen und zum Teil nachgeahmt, wie z.B. Sénancourt (Obermann, 1804) und Benjamin Constant (Adolphe, 1816).

Unter dem Einfluss von Walter Scott wurden zunehmend geschichtliche Ereignisse als beliebter Stoff für Prosawerke verwendet. Alfred de Vigny eröffnete diese Reihe mit seinem historischen Roman Cinq Mars, in welchem er die Spannungen zwischen Monarchie und Adel beschrieb. Einem ähnlichen Schema folgte Victor Hugo in seinen Werken Notre Dame de Paris und L'Homme qui rit, die die Problematik zwischen Arm und Reich deutlich werden lassen. Die soziale Komponente erreichte ihren Höhepunkt in seinem Roman Les Misérables, der neben historischen Beschreibungen auch politische Fragen aufwarf. Einen deutlich leichteren Umgang mit der Geschichte zeigte Alexandre Dumas (Vater). Seine Romane (Les trois Mousquétaires, La Reine Margot, Le Comte de Monte-Christo u.a.) lehnen sich an historische Ereignisse an, folgen jedoch dem Muster eines Abenteuerromans, ohne genau auf geschichtliche Details zu achten. Eugène Sue hingegen vereinigte in Les Mystères de Paris Geschichte und Abenteuer mit sozialkritischen Elementen.

Nachdem die Beschäftigung mit sozialen Fragen auf dem Hintergrund von historischen Ereignissen großen Erfolg erzielte, wandten sich mehrere Autoren nun auch der zeitgenössischen Gesellschaft zu. Wenn George Sand unter dem Einfluss der Sozialtheoretiker Saint-Simon, Fourier und Proudhon idealistisch-humanistische Ziele verfolgte, dominierten bei Balzac, Mérimée und Stendhal realistische Tendenzen. Sie führten einen distanziert-objektivierenden Stil ein, der die Prosa der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beeinflusste.

Seit 1850 beobachtete man an eine Abwendung von der romantischen Bildhaftigkeit hin zu realistischen Darstellungen. Im Jahre 1857 veröffentlichte Gustave Flaubert den ersten französischen realistischen Roman Madame Bovary, der zum Skandalerfolg wurde. Flaubert’s Wunsch nach einer genauen Beschreibung des tatsächlichen Lebens mit Liebe, Familienleben, Seitensprünge usw. führte zu seiner Verurteilung wegen Verstoßes gegen die Guten Sitten. Seine Methode der minutiösen Beschreibung und der detailgetreuen Analyse der Charaktere fand mit den Gebrüdern Goncourt, Alphonse Daudet und anfänglich Emile Zola zahlreiche Nachfolger. Zola ging jedoch weiter, indem er sich nicht nur auf die Wiedergabe der Realität beschränkte, sondern das objektive Beobachten um die quasi wissenschaftliche Analyse der sozialen Umstände erweiterte, die das Handeln der einzelnen Personen bestimmten. Auf Grund der naturgetreuen Wiedergabe aller auch noch so winzigen Details (Räumlichkeit, Körperlichkeit, Stofflichkeit…) bekam diese Richtung den Namen Naturalismus, deren bedeutende Anhänger auch Guy de Maupassant, Joris-Karl Huysmans, die Gebrüder Margueritte u.a. waren.

Der Naturalismus behielt bis zum 1. Weltkrieg die Vormachtstellung in der französischen Literatur, obwohl bereits Ende des 19. Jahrhunderts neue Kunstströmungen aufkamen, die der modernen komplexen Welt differenzierter gegenüberstanden. Anatole France, Pierre Loti, Maurice Barrès, Jules Verne, Paul Bourget, Maurice Leblanc u.a. standen für eine neue Generation von Schriftstellern, die in der Übergangszeit zwischen Naturalismus und neuer Ästhetik des 20. Jahrhunderts die literarische Landschaft bestimmten.

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