Prosa der Renaissance

Wenn während des Mittelalters die Prosa überwiegend für politische oder wissenschaftliche Texte Verwendung fand, beobachtet man im 16. Jahrhundert den breiten Einzug der Prosa in die Literatur. Dies geschah vor Allem auf Grund der umfassenden Bildung der Wissenschaftler und Philosophen der Renaissance, die ihren Ideen oft eine anspruchsvolle literarische Form gaben, wie z.B. die bedeutenden französischen Humanisten Jacques Lefèvre d'Étaples, Etienne Dolet, Henri Estienne und Guillaume Budé. Mit ihren Werken und der zunehmenden Verbreitung des italienischen Humanismus erreichten sie eine tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung, die einen eindeutigen Bruch mit der Kultur des Mittelalters bedeutete. In seinem Hauptwerk La Vie de Gargantua et Pantagruel greift François Rabelais die dogmatische Bildung der vergangenen Epoche und Missstände in der Kirche an. Sein Sarkasmus und seine Ironie bewirken eine humanistisch optimistische Atmosphäre. Rabelais Helden leben nach dem Prinzip „Mach was Du willst“, ohne sich um die strengen gesellschaftlichen Gesetze zu kümmern.

Die Kritik von Rabelais an den mittelalterlich-feudalen Konstitutionen der Kirche fand Zustimmung bei den Reformatoren, auch wenn sie dessen derbe Ausdrucksweise und seinen ausgeprägten Humanismus ablehnten. Der bedeutendste Vertreter des jungen Protestantismus in der französischen Literatur war Jean Calvin, der mit seinem Haupwerk Christianae religionis institutio, das er zum besseren Verständnis für ein breiteres Publikum auf Französisch übersetzte, neue sprachliche und stilistische Maßstäbe setzte. Die Tiefe und Klarheit seiner Gedanken machten das Werk zu einem der meist gelesenen Bücher in Frankreich und trieben die Reformationsbewegung voran.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erreichte die philosophisch-moralisierende Literatur ihren Höhepunkt und zahlreiche Autoren (Michel de Montaigne, Jacques Amyot, Blaise de Montluc, Claude Fauchet, Etienne de La Boétie...) beschäftigten sich mit diesen Themen. Den größten Erfolg erreichte Michel de Montaigne mit Les Essais, ein dreibändiges Werk, das philosophische Abhandlungen, aber auch Anekdoten, Überlegungen und Erzählungen über Gott und die Welt enthält.

Der Einfluss der italienischen Literatur auf die französische Prosa wurde hauptsächlich in der Gattung der Novelle sichtbar. Nach dem Vorbild des Decamerone von Giovanni Boccaccio entstanden auch in Frankreich zahlreich Novellensammlungen dieser Art, wie z.B. Heptaméron von Marguerite de Navarre. Marguerite de Navarre war die ältere Schwester von Franz I. und in zweiter Ehe die Frau von Henri d’Albert, König von Navarra. Sie besaß eine beachtliche politische Macht und einen großen Einfluss auf das intellektuelle Leben in Frankreich. In ihrem Hof versammelten sich bedeutende Denker dieser Zeit, einschließlich der Reformtheologen. Ihr Hauptwerk, die Novellensammlung Heptaméron, schrieb sie in den letzten Jahren ihres Lebens und konnte ihr Vorhaben nicht beenden. Somit umfasste ihr Werk nicht wie bei Boccaccios Decamerone zehn Erzähltage, sondern nur sieben. Das Hauptthema der Novellensammlung ist die leidenschaftliche Liebe, die jedoch selten positiv dargestellt wird und moralisch belehrende Funktion hat.

Dem Beispiel von Marguerite de Navarre folgen Bonaventure des Périers mit Nouvelles récréations et joyeux devis, Noël Du Fail mit Propos rustiques und Contes et discours d’Eutrapel, Jacques Yver mit Le Printemps d’Yver u.v.a., was zur Entstehung einer eigenen französischen Novellentradition führte.

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