Malerei im Mittelalter

Anders als bei der französischen Sprache oder den Verwaltungsstrukturen, profitierte die französische Malerei des früheren Mittelalters kaum von der vorhergehenden gallo-römischen Epoche. Es handelte sich vielmehr um eine eigenständige Entwicklung des Genres.

Auf den ersten Blick sehen die Bilder des früheren Mittelalters technisch ungeschickt und blass aus, kein Vergleich zu den prachtvollen antiken Fresken und Mosaiken. Die beiden Perioden kann man jedoch nicht vergleichen: die frühchristliche Kunst eröffnete eine neue Epoche in der Malerei, die nicht die Raumdekoration oder das Anstreben eines Schönheitsideals zum Ziel hatte. Wichtig war der symbolische Ausdruck der Religiosität und tiefen Spiritualität, sowie der moralische Lehrzweck.

Außerdem kann man zu dieser Zeit noch nicht von der Eigenständigkeit der Malerei reden. Noch lange Zeit ist sie der Buchgestaltung, der Architektur und dem Kunsthandwerk untergeordnet.

Bereits unter den Merowingern entwickelten sich unter orientalischem Einfluss einfache stilisierte Ornamente mit Tier- oder Pflanzenmotiven zu Meisterwerken der Buchmalerei. Das Wiederaufleben dieser Kunst zeigte sich in der einfühlsamen Farbgestaltung von Initialen und Seitenrändern. Nicht selten wurden die Initialen der französischen Handschriften als isomorphe Darstellungen von Vögeln, Fischen oder phantastischen Fabelwesen gestaltet. Auf den Rändern sind häufig christliche Symbole abgebildet, wie z.B. Kreuz und Taube. Die Karolinger förderten dank der umfassenden Kulturreform Karls des Großen die Herstellung von Büchern und Schriften. An seinem Hof versammelten sich bedeutende Gelehrte dieser Zeit, die mit Hilfe von byzantinischen und antiken Vorlagen die Buchmalerei zum eigenständigen Genre erhoben. Die Buchherstellung in dieser Zeit war eine schwierige und langwierige Aufgabe, die meist von Klöstern übernommen wurde. Besonders begabte Mönche schufen in speziell eingerichteten Schreibstuben, sogenannten Skriptorien, wahre Meisterwerke mit zum Teil sehr wertvollen Materialien (Gold, Edelsteine, Elfenbein). Da mehrere Mönche gleichzeitig an unterschiedlichen Passagen einer Handschrift arbeiteten, war ein gewisses Zusammenspiel erforderlich, was zur Ausbildung von einzelnen Schulen führte, wie z.B. die Schule von Reims, Saint-Denis, Tours und Metz. Die künstlerische Gestaltung an diesen Schulen war nicht mehr nur auf die Anfangsbuchstaben beschränkt, sondern weitete sich auf die ganze Seite aus, mit flächiger Ornamentalisierung des Hintergrundes, Rahmungen und zahlreichen Miniaturen (Lebensbrunnen, Weltenrichter, Evangelisten...). Diese Bilder zeichnen sich durch eine prächtige Gestaltung und Monumentalität aus, ihnen fehlt jedoch die Bildperspektive, die Hintergrundlandschaft ist nur angedeutet und die Menschendarstellungen sind vereinfacht, aber sehr plastisch. Ihre Größe entspricht nicht der tatsächlichen Körpergröße, sondern dem gesellschaftlichen Rang, z.B. ist der König größer dargestellt als seine Gefolgsleute. Besonders hervorragende Werke dieser Zeit sind die Evangeliare Karls des Großen und die Bibel Karls des Kahlen.

Ebenfalls an antiken Vorbildern orientierten sich die Künstler dieser Epoche bei der Gestaltung des Raumes mit Mosaiken. Von ihren Reisen mit Karl dem Großen nach Rom brachten sie zahlreiche Ideen in ihre Heimat und verwirklichten anspruchsvolle Projekte. Dazu zählt zweifellos das einzige in Frankreich noch erhaltene Apsismosaik in Germigny-des-Prés, das unter der Leitung von Theodulf um 806 entstand. Es zeigt auf 9 qm die Bundeslade mit zwei Engeln. Das Mosaik besteht aus 130000 Glas- und Emaillesteinen. Außer mit Mosaiken wurden die Räume oft mit Wandmalereien geschmückt. Die Krypta von Saint-Germain in Auxerre bietet zahlreiche Beispiele dieser Kunst, wie z.B. Friese mit Akanthusblättern, Personendarstellungen, Medaillons und künstlerisch gestaltete Inschriften.

Das hohe Mittelalter brachte keine neuen Genre hervor. Die bevorzugten Gattungen blieben die Wand- und Buchmalerei, die jedoch eine enge Beziehung zueinander aufwiesen. Da die kulturelle Hoheit vom königlichen Hof auf die Klöster überging, beschränkte sich der Themenkreis auf religiöse Inhalte. Die relativ seltenen Beispiele von Wandmalereien (Saint-Savin, Berzé-la-Ville, Nohant-Vic) zeigen u.a. Szenen aus dem alten und neuen Testament, Apostel, Martyrien und Heilige. Die Bilder weisen eine gewisse Ähnlichkeit mit den Buchminiaturen auf: die gleiche kraftvolle Bewegung, Flächigkeit, Fehlen von Licht- und Schatteneffekten, sowie die Verfremdung der Proportionen. Die Personendarstellung unterlag gewissen Konventionen, die jedoch in der Regel strikt eingehalten wurden. Die Zwischenräume an den Wänden und Decken wurden mit komplizierten Ornamenten gefüllt, was eine allgemeine Farbabstimmung für den ganzen Raum erforderte.

Im späteren Mittelalter eröffnete sich ein neuer Abschnitt in der französischen Kultur. Nach und nach verlagerten sich die Kulturzentren von den Klöstern in die Städte. Die Stadtverwaltung, der Adel und das Bürgertum wurden zu wichtigen Auftraggebern. Besonders deutlich sichtbar wird diese Veränderung in der Buchkunst, wo jetzt Psalter (Psalter der Königin Ingeborg, Psalter des Hl. Ludwig) und Stundenbücher (Stundenbuch des Jean du Berry, Stundenbuch des Marschalls von Boucicaut) an Bedeutung gewannen. Außerdem wurde mit Romanen, Bildungserzählungen und Fabeln zunehmend weltliche Literatur veröffentlicht. Das Skriptorium selbst zog vom Kloster in die Stadt und bildete somit den Anfang des Verlagswesens. Die neuartige Architektur der Gotik brachte auch Veränderungen in der Monumentalmalerei mit sich. Indem die Wandflächen der Sakralbauen auf ein Minimum beschränkt waren, wurde die Wandmalerei durch die Glasmalerei ersetzt. Die hohen Fenster der ersten gotischen Kathedralen (Paris, Laon, Rouen, Bourges, Chartres) wurden mosaikartig mit unterschiedlich gefärbten Glasscheiben zu einem Bild komponiert, wobei die einzelnen Scheiben mit Bleistegen verbunden waren. Zuerst benutzte man die intensiven Töne der Grundfarben rot, blau und gelb, die seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts durch Übereinanderlegen noch weitere Farben entstehen ließen, wie z.B. in Sainte-Chapelle in Paris. Seit dem 14. Jahrhundert wurden die Fenster direkt bemalt, wodurch die Bilder dynamischer wirkten, jedoch durch den Mangel an Polychromie an Ausdruckskraft verloren.

Außerdem profitierte Frankreich von der Nähe zweier bedeutender Kunstzentren:

  • Italien (durch Kontakte mit dem Papsthof in Avignon, sowie kulturelle Beziehungen zwischen der Provence und Italien) und
  • Flandern (vor allem durch die Herzöge von Burgund, die gleichzeitig die Herrschaft über Flandern hatten und flämische Maler engagierten).

Die bedeutenden Maler dieser Zeit (wie zum Beispiel Jean Fouquet, Maître de Moulins, Jean Bourdichon…) begrenzten sich nicht nur auf die Buch- oder Glasmalerei. Die Tafelmalerei gewann immer mehr an Bedeutung, wobei Porträts und religiöse Kompositionen dominierten. Die Künstler befreiten die Malerei von den starren Konventionen und den Standardisierungen in der Personendarstellung. Eine minutiöse Technik verband sich mit der Monumentalität des Kunstwerks, der realistischen Darstellungsweise und der Geschlossenheit der Komposition. Der sparsame Umgang mit Farben erhöhte die Ausdruckskraft der Bilder, die noch durch die statische und würdevolle Position der abgebildeten Person verstärkt wurde. Auf diese Weise vollzogen die Maler dieser Zeit den Bruch mit der traditionsreichen Malerei des Mittelalters und eröffneten den Weg zur Bildenden Kunst der Renaissance in Frankreich.

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