Die Zweite Republik

Die Februarrevolution 1848 brachte die Julimonarchie zum Einstürzen. Nur 3 Tage nach der Abdankung von Louis Philippe wurde am 24. Februar 1848 die 2. Republik ausgerufen. Bis zu den Präsidentschaftswahlen wurde eine provisorische Regierung unter den liberalen Politikern Alphonse de Lamartine und Alexandre-Auguste Ledru-Rollin eingesetzt. Ihr gehörten überwiegend Republikaner (Marie, Crémieux, Arago u.a.) und zum ersten Mal auch die Sozialisten mit Louis Blanc und Albert an. Diese Regierung bereitete eine neue Verfassung vor, die am 4. November in Kraft trat. Sie führte den Posten eines Präsidenten ein, der auf vier Jahre in direkter Wahl gewählt wurde, jedoch ohne das Recht zwei Amtsperioden hintereinander zu kandidieren. Die direkte Wahl sicherte dem Präsidenten die gleiche Stellung wie die Nationalversammlung und sie konnten sich gegenseitig nicht auflösen bzw. absetzen. Außerdem schaffte die Verfassung die Sklaverei ab, verkündete ein allgemeines Recht auf Arbeit, verkürzte die gesetzliche Arbeitszeit und liberalisierte das Wahlrecht. Unter dem Einfluss der Republikaner verabschiedete die provisorische Regierung eine Reihe von arbeiterfreundlichen Gesetzen, wie z.B. die Errichtung der Nationalwerkstätten, die als Maßnahme gegen die Arbeitslosigkeit gedacht waren, aber äußerst unproduktiv blieben.

Als die Regierung die Nationalwerkstätten im Juni 1848 schloss, brach in Paris ein Arbeiteraufstand aus, der in blutige Straßenkämpfe mündete. Kriegsminister Cavaignac übernahm die Regierung und wurde von der Nationalversammlung mit quasi diktatorischen Befugnissen ausgestattet. Er rief 45000 Soldaten nach Paris und schlug den Aufstand gnadenlos nieder. Sein brutales Vorgehen kostete ihm bei den nächsten Präsidentschaftswahlen jedoch die Stimmen der Arbeiter, die nach dem neuen Wahlrecht einen beachtlichen Einfluss hatten.

Nach der Verfassung bekam jeder nicht vorbestrafte männliche Franzose ab dem 21. Lebensjahr das Recht zu wählen. Auf diese Weise erhöhte sich die Zahl der Wahlberechtigten von 200.000 auf ca. 9 Millionen. Die Stimmen der Wähler von Paris, die mehr oder weniger liberal orientiert waren, spielten jedoch keine entscheidende Rolle, da rein rechnerisch gesehen die große Mehrheit der Bevölkerung doch auf dem Land wohnte. Diese eher konservativ orientierten Schichten wählten im Dezember 1848 Louis-Napoléon Bonaparte, den Neffen von Napoleon I., zum Präsidenten. Während seiner Präsidentschaft verfolgte er eine konservative Politik. Er schränkte das Wahlrecht zu Gunsten der privilegierten und regimetreuen Schichten wieder ein, indem er alle Strafverfolgten, nicht Steuerzahlenden und weniger als drei Jahre Ortsansässigen von der Wahl ausschloss. Außerdem erlaubte er Geistlichen nicht nur an den öffentlichen Schulen ohne staatliche Prüfung zu unterrichten, sondern auch praktisch uneingeschränkt private Schulen zu gründen, was im krassen Gegensatz zum Prinzip des Laizismus (konsequente Trennung von Kirche und Staat) der französischen Revolution stand.

Louis-Napoléon Bonaparte Ambitionen zielten auf eine Präsidentschaft von mehr als vier Jahren, die nach der Verfassung als maximale Amtszeit vorgesehen waren. Nachdem seine Gesetzentwürfe bezüglich einer Verlängerung vor der Nationalversammlung scheiterten, ließ er in einem Staatsstreich am 2. Dezember 1851 führende Oppositionspolitiker (Thiers, Cavaignac, Changarnier) verhaften und löste die Nationalversammlung auf. Nach einem Referendum wurde seine Amtszeit auf 10 Jahre verkündet. Regimegegner wurden konsequent verfolgt und bestraft oder verbannt. Dieses Schicksal erlitten nicht nur Politiker, sondern auch engagierte Schriftsteller, wie z.B. Hugo. Nach der Zerschlagung des Widerstandes setzte Louis-Napoléon Bonaparte systematisch Werbekampagnen für seine Person ein, um die Wiedereinführung des Kaisertums zu erreichen.

Am 2. Dezember 1852, am Jahrestag der Kaiserkrönung seines berühmten Onkels, ließ sich Louis-Napoléon Bonaparte nach einem Volksentscheid als Napoleon III. zum Kaiser wählen. Dies markierte den Beginn des 2. Kaiserreiches.

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