Dichtung des Mittelalters

Die ersten Beispiele der lyrischen Dichtung manifestierten sich ca. im 10. Jahrhundert in der Volkslyrik, die jedoch im Unterschied zu den Heldenliedern nicht aufgezeichnet wurde, da sie bis ins 15. Jahrhundert als niedere literarische Kunst betrachtet wurde. Die überlieferten Bruchstücke der Volkslieder zeigen, dass sie ein wichtiger Bestandteil der damaligen Dorfkultur waren. Sie lassen sich zum Teil auf heidnische Feste zurückführen, begleiteten die gemeinsame Arbeit oder erzählten über Einzelschicksale.

Größere Resonanz erlangte die lyrische Dichtung an den Höfen der Grafen und Herzöge. Die höfische Lyrik wurde zuerst ca. im Jahre 1100 in der Provence von den Troubadours in Langue d'oc begonnen und dann ab 1160 in Nordfrankreich durch die Trouvères in Langue d'oïl fortgesetzt. Die Troubadours und Trouvères waren gleichzeitig Dichter, Komponisten und Musiker. Sie erzählten ihre Werke mit musikalischer Begleitung oder sangen. Die Trennung zwischen Text und Musik trat erst im 14. Jahrhundert in Erscheinung. Ihre Lieder besangen vor Allem die Liebe, die jedoch in diesen Werken mehr als ein Gefühl war und vielmehr zu einem der wichtigsten ritterlichen Werte erhoben wurde. Zur gleichen Zeit kamen die sogenannten "antikisierenden Romane" in Mode (Thebenroman, Äneasroman, Trojaroman, Alexanderroman), die den Stoff der klassischen lateinischen Literatur übersetzten und zum Teil modernisierten.

Im 12. und 13. Jh. erlebte die städtische Kultur einen enormen Aufschwung. Die Städte befreiten sich von ihren Feudalherren und erreichten auf politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene eine deutliche Selbständigkeit. Die städtische Dichtkunst zeigte einen ausgeprägten allegorischen Charakter. Dazu zählen die Fabliaux (Jean Bodel, Rutebuef) und der Fuchsroman, in denen das Publikum unterhalten und zum Lachen gebracht wurde, sowie der Rosenroman von Guillaume de Lorris und Jean de Meung, der einen Übergang vom höfisch-aristokratischen zum bürgerlichen Ideal darstellt.

Das 14. Jahrhundert war die Geburtszeit der Dichtung als selbständige Kunstform:
· die Trennung zwischen Text und Musik wurde vollzogen,
· der Vers bekam einen Rhythmus und einen Reim, nicht nur sporadisch, sondern als notwendiges Formmerkmal,
· die Form selbst (Dit, Lai, Ballade, Rondeau, Virelai…) wurde zunehmend kanonisiert;
· die Dichtkunst verlor ihre Anonymität und die Dichter (Machaut, Froissart, Deschamps, Chartier) veröffentlichten ihre Werke in Gedichtsammlungen; die Autoren bestimmten nicht nur die genaue Reihenfolge, sondern brachten oft auch ihre ästhetische Konzeption ein.

Die bedeutenden Dichter der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts (Christine de Pizan, Charles d'Orléans, François Villon) profitierten von den Errungenschaften des vergangenen Jahrhunderts und schufen hervorragende Werke, bevor sich die Dichtkunst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts in die abstrakte Formsuche stürzte. Die Dichter dieser Zeit (Michault Taillevent, Georges Chastellain, Jean Molinet, Jean Meschinot, Octovien de Saint-Gelais, André de la Vigne, Jean Robertet) experimentierten mit der Sprache, perfektionierten die Metrik und erfanden einige neue Formen. Ihre Werke enthielten jedoch kaum noch lyrische Elemente und waren zu abstrakt, um bei dem breiten Publikum Erfolg zu haben.

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