Dichtung des 19. Jahrhunderts

Die Lyrik während der Aufklärung stieß auf vergleichsweise wenig Begeisterung, da die Vernunftgedanken der großen Philosophen im Widerspruch zur lyrischen Darstellung von Gefühlen standen. Anfang des 19. Jahrhunderts zeichnete sich eine Wende in der Dichtung ab. Indem Jean-Jacques Rousseau die Leidenschaft für die Natur erweckte und Emotionen zum Ausdruck brachte, war er in gewissem Sinne der Vorreiter der Romantik. Auch formal gesehen veränderte sich die Dichtung. Die starren Regeln von Malherbe und Boileau wurden durch einen freien Stil mit ungewöhnlichen Sinnbildern und Metaphern ersetzt.

Alphonse de Lamartine war wahrscheinlich der erste Dichter, der diese Ideen mit der Veröffentlichung seines Gedichtbandes Méditations im Jahre 1820 umsetzte. In diesen subjektiv-melancholischen Liebesgedichten bringt er die Vergänglichkeit des Glücks vor dem Hintergrund einer stets gleichbleibenden Natur zum Ausdruck, die den Dichter in seinem Schmerz tröstet. An seinen Erfolg knüpften die jungen Dichter Victor Hugo und Alfred de Vigny an, die zusammen mit Charles Nodier im Jahre 1823 den literarischen Club Cénacle gründeten. Der Cénalcle entwickelte sich rasch zum Zentrum der romantischen Bewegung, der vehement gegen die klassische Dichtung vorging. Hier wurden die ästhetischen Programme der Romantik diskutiert und festgelegt, neue Werke vorgelesen und besprochen. Nach der gesellschaftlichen Anerkennung und der Aufnahme von Lamartine, Hugo und Alfred de Vigny in die Académie française konzentrierten sich die Romantiker auf das Erforschen der dichterischen Möglichkeiten, um die Ausdruckskraft des Verses zu vervollkommnen.

Diese Suche führte Théophile Gautier zur Theorie einer L’art pour l’art (Die Kunst um der Kunst willen), d.h. einer Kunst, die sich selbst genügt und frei von Moral und gesellschaftlicher Verantwortung ist. Diese Regel wurde zum grundlegenden Prinzip der Schule von Parnasse, deren Dichter (Leconte de Lisle, Théodore de Banville, José-Maria de Heredia, Léon Dierx, François Coppée, Sully-Prudhomme, Catulle Mendes und Charles Baudelaire) eine besondere Bedeutung auf die unpersönliche und objektivierende Form ihrer Gedichte legten. Diese Richtung erschöpfte sich sehr schnell und wurde nach 1885 durch den Symbolismus ersetzt.

Der französische Symbolismus wurde entscheidend durch die Dichtung von Charles Baudelaire geprägt, der mit allen Tabus in der Kunst brach, indem er das Hässliche, Böse und Morbide zum ästhetischen Prinzip erhob. In seinen Gedichten verneint er die Erlangung eines tieferen Verständnisses durch offensichtliche Erkenntnisse. Um den Kern einer Idee darzustellen verwendete er keine direkten Beschreibungen, sondern Verfremdungen und Symbole. Die Empfindungen, die durch diese Symbole ausgelöst werden, sollen dem Wesen der Idee entsprechen und neue Ebenen hinter der scheinbaren Realität aufdecken. Den Symbolisten (Paul Verlaine, Stéphane Mallarmé, Paul Bourget, Arthur Rimbaud, Gustave Kahn, Henri de Régnier, Jules Laforgue, Francis Jammes und Jean Moréas) gelang es mit Hilfe ihrer fließenden Sprache Effekte zu erzeugen, die an musikalische, architektonische oder malerische Kompositionen erinnern. Durch die Verwendung von melodischen Rhythmen und mehrdeutiger Symbolik brachten sie facettenreiche Assoziationen und nuancierte Empfindungen zum Ausdruck.

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