Dichtung der Aufklärung

Das 18. Jahrhundert gilt in der französischen Kultur als das große Jahrhundert der Philosophen, die das Publikum mit ihren Theorien begeisterten. Die bevorzugte Gattung der Philosophen war die Prosa, jedoch hielt die Philosophie auch in der Dichtung Einzug. Ein religiöses Lehrgedicht von Louis Racine löste eine Welle von didaktischen Dichtungen aus. Die leicht verdauliche Form erleichterte das Verständnis der komplizierten philosophischen Ideen und selbst Voltaire nutzte diese Art der Dichtung, um sein Weltbild zu verbreiten.

In dieser Zeit der Vormachtstellung der Philosophie genoss die Lyrik wenig Popularität und nur einzelne Dichter (André Chénier, Jean-Baptiste Rousseau) konnten sich in diesem Genre durchsetzen. Wenn die Dichtungen von André Chénier persönliche Gefühle zeigen, wirken die Werke von Jean-Baptiste Rousseau und seinem Nachfolger Ecouchard Lebrun distanziert und künstlich. Die extensive Verwendung von komplizierten Andeutungen und Eigennamen verstärken diesen Eindruck noch.

Mehr Erfolg hatte die sogenannte deskriptive Dichtung, die sich dem Thema Natur widmete. Unter dem Einfluss der englischen Literatur und dem naturverbundenen Jean-Jacques Rousseau stellten Saint-Lambert, Malfilâtre und Delille detaillierte Beschreibungen von Naturlandschaften in ihren Werken dar. Aber im Unterschied zu Rousseau fehlte ihnen der philosophische Ansatz und die persönliche Verbundenheit mit der Natur, wodurch ihre Beschreibungen oft kalt und distanziert wirken.

Ein perfektes Abbild des herrschenden Zeitgeistes lieferten Voltaire, Parny und Piron, die auf ausgezeichnete Weise kritisch satirische Kurzgedichte in leichter und frivoler Form verfassten, die beim Publikum sehr beliebt waren.

Während der Französischen Revolution vereinigte sich die Dichtkunst mit der Musik und konnte dadurch noch breitere Massen erreichen. Die in einer Nacht geschriebene Marseillaise von Rouget de Lisle beflügelte die Revolutionäre und wurde später zur Nationalhymne. Insgesamt sind über 3000 politische Lieder aus dieser Zeit bekannt, die eine wichtige Rolle in der revolutionären Propaganda spielten. Das Spektrum dieser Lieder war ziemlich breit gefächert und reichte von Oden und Hymnen über Revolutionschansons bis hin zu volksnahen derben Liedern, die jedoch die Zeit nach der Revolution nicht überdauerten, da mit dem Sieg Napoleons die aggressive Konfrontation zwischen den sozialen Schichten ein Ende hatte.

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